Vita – TRPM an sich

Entstanden ist er mit einer Sondergenehmigung …

für eine Hochzeitsnacht im Juni 1939 (also noch in Friedenszeiten) im Gefängnis von Blumenau/Florianopolis zwischen einem (weiß der Teufel, warum) eingekerkerten deutschen Jung-Pastor und einer ehemaligen Odenwald-Schülerin und danach Krankenschwester/Hebamme.

Geboren dann nach dem Ausweisungsdekret Nr. 4255 (aufgrund der Druck-Verträge der USA gegen Deutsche in Brasilien) von Presidente Dr. Vargas und stürmischer Blockadebrecherfahrt mit Dr. Oetkers “MS Monte Olivia” im Kriegsjahr 1940.

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1939 “MS Monte Olivia”

Das sogenannte Licht der Welt erblickte er leider nicht mehr in Brasilien, sondern unweit des kürzlich wieder aktuellen Hermanns-Denkmals in Mutters Lippe-Detmold (und visionär im selben Krankenhaus wie später ein gewisser Frank-Walter Steinmeier).

Nicht etwa, dass dann Ruhe eintrat. O nein! Orte wie Lingen/Ems, Halle/Saale oder Aken/Elbe, Lodersleben/Querfurt huschten vorbei. Ein paar Erinnerungs-Scans, mehr nicht. Seine bewußtwerdende Kindheit verbrachte er in den „Neinstedter Anstalten“ an der Teufelsmauer zwischen Quedlinburg und Hexentanzplatz im Ostharz und (wie unser gleichalter vorletzter Bundespräsident – in Rostock. Aber dann: Keine Zulassung zur Oberschule trotz Auszeichnung mit der Buchprämie „Kutterbrigade Deutschland“.

Anerkennung Schule 1954

Weil ihn die DDR-Kommunisten wegen des väterlichen Berufs verschmähten, graulte er sich Mitte der Fünfziger unter lüsternen „Erziehern“ in einem (nein – keinem katholischen, sondern einem evangelischen) westlichen Internat am Berliner Schlachtensee und am Kant-Gymnasium in Berlin-Spandau.

Nach seinem 15. Geburtstag beschloss er, lieber ganz in den Westen abzuhauen. Vater, Mutter und die beiden jüngeren Geschwister Andreas und Maria-Renate sollten ja irgendwann aus der DDR nachkommen. Unüblicherweise jobbte er dann nicht als Tellerwäscher, sondern einen Sommer lang im ehemals NS-, dann nahtlos von der Kirche übernommenen Jugend-Zeltlager Sachsenhain bei Verden an der Aller.

Dort sollte Karl der Große ja rund 4000 Sachsenhäuptlinge geköpft haben. Das interessierte ihn schon wegen der dafür aufgestellten Hinkelsteine (und weil er seltsam fand, dass die damaligen Sachsen vor tausendzweihundert Jahren zwar Germanen, aber keine Kommunisten und genau genommen nicht mal Deutsche waren, denn die gab es erst später).

Danach schlug er sich drei Jahre lang an der Porta Westfalica als städtischer Gärtner, Zigarrendeckblattfärber, Schiffsschmied an der Weser, Zollstockkantenlackierer, Schleppseilrückholer auf dem Segelflugplatz Vennebeck/Porta, Hilfsarchivar im “Gesamteuropäischen Studienwerk” Vlotho/Weser und in der Qualitätskontrolle von automatischen Toilettendrückern durch.

Zwischendurch gab er Gastspiele in der Tanzschule Teubner und im Gymnasium/Schülerheim der „Bodelschwinghschen Anstalten“ in Bethel bei Bielefeld. Ein Abitur-Zeugnis oder irgendein anderes beamtenpensionssicherndes Stück Papier gab es für all das leider nicht.

Als er zwar noch nicht wahlberechtigt, aber bereits im schießfähigen Alter war, durfte er – nach einer halbjährigen Sichheitsüberprüfung durch seinen Status als anerkannter politischer Flüchtling (!) sowie einwöchigen Eignungstests – 1958 als einer der ersten Freiwilligen für sechs Jahre zur neuen deutschen Luftwaffe ins von Theodor Storm als „graue Sadt am Meer“ nachhaltig diffamierte Husum. Nach weiterer Ausbildung zum Killer, Pre-Drohnen-Lenker und Fluglotsen in Kaufbeuren, Ütersen und Hamburg sorgte er zunächst  in Wunstorf bei Hannover für Verwirrung am Himmel.

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1961 “Ja, wo fliegen sie denn?”

Dank seines Antrags, als Beamter auf Zeit nebenberuflich Spionageromane schreiben (die Argwöhner des Kalten Krieges im Verteidigungsministerium verstanden treiben) zu dürfen, wurde er zum feierlichen Anschiss nach Bonn befohlen – dann aber im geheimnisvollen Rhein-Schlösschen Alfter zum Nachrichtenauswerter und Texter in der “Psychologischen Kampfführung” (mit allerlei Spielchen gegen die Brüder und Schwestern im Osten) umgeschult.

Drei Jahre später waren diese Erfahrungen die ideale Voraussetzung für den seinerzeit noch ganz heißen Traumjob als Lobschreiber für insgesamt ein Dutzend Zigaretten-Marken, Omo und Azzaro, Miele Melkanlagen und Langnese Eiskrem, Russen-Hubschrauber, ekligen Hustensaft und Chanel No 5, Elle-Bademoden und Ricosta-Kinderschuhe, Autos, Banken, HiFi, Möbelhäuser, Bier und Hundefutter, bundeseigene Waffenfabriken, China Oel als Olympiaausstatter und Coca Cola, Griechenland und Condor, die erste Anti-Aids-Kampagne in Berlin und den Slogan “Mach’s mit”. Dazu für die Bundesgartenschau Berlin, die Berliner Stadtreinigung und Andre Hellers Sommernachtstraum, Reinold Furrers Weltrauminstitut und dann – last, but not least – “Berlin tut gut” von Forschung und Entwicklung über PR-Kampagnen zur Wirtschaftsförderung in kalifornischen Studentenzeitungen und Handelskammerblättern in Pakistan bis hin zum Backrezept in den “Berliner”-Blechpfannkuchen als Touristen-Souvenirs.

  

2010 TRPM liest in der Aula der Deutschen Schule Beirut

Zurück zum Anfang: Nach der Zeit als Psychokrieger und in der Werbeakademie Hamburg zog er ein Superstar-Ticket für das “1st Creative Training Experiment” von Lintas/Unilever Hamburg. Die damals beste (und mit 450 Mitarbeitern auch größte) deutsche Werbeagentur wollte zusammen mit den Partnern SSC&B in New York in einem Halbjahresversuch mit acht bundesweit ersiebten Teilnehmern herausfinden, ob sogenannte Kreative mit Rund-um-die-Uhr-Intensivtraining “gezüchtet” werden können. Der finanziell und personell höchst aufwendige Versuch wurde niemals wiederholt, aber als einer von vier Überlebenden erhielt er mühelos die begehrten Top-Jobs in der Werbung.

Als später dann die 68er mit selbstgemalten Spruchbändern durch die Straßen Hamburgs schlurften, zog er ohne irgendwelche Italienischkenntnisse mit Ehefrau und drei Kleinkindern von der Elbchaussee ins viel spannendere Italien, wo die Gewerkschaften gerade mit professionell gemachten Transparenten aus den firmeneigenen Werbeabteilungen für ein 15. Gehalt und 6 zusätzliche Tage Keine-Lust-Urlaub (“Indisposto = Mir ist heute nicht so”) streikten – und sogar gewannen.

Seine Lust an Zukünftigem und Dingen, von denen er zunächst mal keine Ahnung hat, machte ihn zum Direttore creativo in der zentralen Produktplanungsgruppe von Ferrero und zum extrem belastbaren Pralinenvorkoster für den deutschen Markt. Auf den grünen Hügeln über Turin wurde er so zum Miterfinder von TicTac, Pocket Coffee, Joghurette und – vor 45 Jahren – dem Wahnsinnserfolg der Kinder-Überraschungseier.

 

1970 bei Ferrero, direzione generale in Pino Torinese/Turin (im Hintergrund sein Büro mit Alpensicht über die Stadt am Po hinweg gen Frankreich und die Schweiz)

Fast ebenso richtig lag er auch, als er in seinem 1985 (!) erschienenen Polit-Thriller “Der Tag, an dem die Mauer brach” die dramatischen Erstürmung derselben und die friedliche Wiedervereinigung nur um 2 Jahre falsch geschätzt zur 750-Jahrfeier Berlin im Jahr 1987 prognostizierte (obwohl heute stereotyp behauptet wird, niemand hätte das voraussehen können). Das Thema muss damals selbst Zukunftsprofis derart utopisch vorgekommen sein, dass sie dem Roman den “Literaturpreis 1985 des Science Fiction Club Deutschland e.V.” verliehen.

Inzwischen lebt er schon seit 40 Jahren in Berlin, hat vier erwachsenen Kinder ebenfalls in seinem Kommunikations-Netzwerk und schreibt nach einigen Dutzend Krimis und SF-Romanen zumeist auch vor Ort recherchierte historische Romane.

Geht doch, meinen auch seine Fans auf der anderen Seite der Erdscheibe: